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eBay: Vom Consumer zum Prosumer

Mit Blick auf einen nachhaltigen Konsum eröffnen elektronische Auktionsmärkte und Handelsplattformen neue Spielräume. Chancen zur Erschließung bisher nicht genutzter Umweltentlastungspotenziale bestehen bei der Weiterentwicklung internetgestützter Gebrauchtwarenmärkte. Dieses Potenzial beruht im Wesentlichen auf der Chance, durch Vermarktung gebrauchter Güter die Lebens- und Nutzungsphase von Produkten zu verlängern und so zusätzliche Umweltbelastungen durch Neuanschaffungen zu vermeiden.

Elektronische Märkte ermöglichen daher nicht nur eine dramatische Vergrößerung der Anzahl von Marktteilnehmern, sondern verändern auch die herkömmliche Rollenaufteilung zwischen Konsumenten und Produzenten. Durch Tauschbörsen, Auktionsplattformen und andere internetgestützte Handelsmodelle, bei denen die Nutzer nicht nur als Käufer sondern gleichzeitig auch als Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen auftreten, verschiebt sich die Rolle des Verbrauchers von einer reinen Konsumentenrolle hin zum aktiven Verkäufer. Diese aktivere Rolle des Kunden kann mit dem von Alvin Toffler eingeführten Begriff des „Prosumers“ beschrieben werden. Der Begriff „Prosumer“ setzt sich aus „Pro-ducer“ und „Con-sumer“ zusammen und kennzeichnet Verbraucher, die in die Planung, Gestaltung und Herstellung von Produkten aktiv involviert sind oder als Anbieter von Produkten und Dienstleistungen auftreten und damit klassische Produzentenfunktionen übernehmen.

Mit der eBay Deutschland GmbH konnte der weltweit führende Anbieter von Internetmarktplätzen für Verbraucher als Kooperationspartner für die Durchführung des Forschungsprojektes gewonnen werden. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) ist in die Transferphase eingebunden und stellt dort seine Plattform zur Verfügung.

Eine breit angelegte empirische Analyse soll Aufschluss über veränderte Konsumentenrollen und Konsummuster bringen sowie die Abschätzung der Nachhaltigkeitseffekte und –potenziale ermöglichen. Sie dient als Fundament zur Entwicklung und Erprobung neuer Handelsformen, Auktionskulturen und Kommunikationsstrategien eines nachhaltigen Konsums.

Zusammen mit eBay sollen im Projekt Potenziale zur ökologischen Optimierung des bestehenden Online-Handels erkundet und neue Geschäftsfelder zur Unterstützung des nachhaltigen Konsums ausgelotet werden. Mit Blick auf eine experimentelle Umsetzung innovativer Ansätze durch eBay werden dabei mehrere Innovationsstrategien verfolgt:

• Ökologische Optimierung des bestehenden Onlinehandels: Für Optionen wie klimaneutraler Versand oder strategische Allianzen mit Transportdienstleistern werden umsetzungsfähige Konzepte entwickelt und experimentell erprobt.

• Aktivierung ungenutzter Potenziale: Entwicklung von Kommunikationsstrategien zur Erschließung des akkumulierten, aber nicht mehr genutzten Konsumgüterbesitzes.

• Unterstützung neuer Auktionskulturen, die die Erhöhung von Langlebigkeit und Werthaltigkeit der Produkte als Strategien eines nachhaltigen Konsums fördern.

• Entwicklung neuer Geschäftsfelder zur Unterstützung eines nachhaltigen Konsums z. B. mit Blick auf den von Privathaushalten dezentral erzeugten Strom (Photovoltaikanlagen etc.) im Rahmen einer experimentellen Marktsimulation.

Während der experimentelle Charakter des Projektes auf eBay abgestellt ist, geht der Forschungstransfer über eBay hinaus und adressiert sowohl Forschung, Verbände als auch Verbrauchereinrichtungen.

Konferenz
Wiederverkaufskultur im Internet: Chancen für nachhaltigen Konsum

am 8. September 2010 in Berlin

Im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung des Bundesforschungs-ministeriums ging das Projekt „Vom Consumer zum Prosumer“ der Frage nach ob und wie elektronische Märkte und Handelsplattformen den Konsum verändern und welche neuen Spielräume sich für einen nachhaltigen Konsum eröffnen.

Die Projektergebnisse zeigen erstmals in sehr umfassender Weise die ökologischen Auswirkungen und Chancen des Online-Handels mit Gebrauchtgütern. In einer breit angelegten Online-Befragung wurden das Kauf- und Verkaufsverhalten auf elektronischen Plattformen, die Motiva-tionen der NutzerInnen sowie die mit dem Online-Handel verbundenen Umweltauswirkungen erhoben und erforscht.

Auf der Fachkonferenz werden die Forschungsbefunde präsentiert. Außerdem sollen Herausforderungen diskutiert und Anregungen für Unternehmen, Politik und Verbraucher zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Gebrauchtmarktes gegeben werden.

Die Teilnahme an der Fachkonferenz ist kostenfrei, eine Anmeldung erforderlich.

Das komplette Programm sowie das Anmeldeformular können Sie
hier downloaden.

Tagungsort:
Harnack-Haus, Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft
Ihnestraße 16 -20
14195 Berlin
Anfahrtsbeschreibung unter www.harnackhaus-berlin.de

Veranstalter:
Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT)
Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main

Ansprechpartner:
Dr. S. Behrendt
Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
s.behrendt@izt.de
Laufzeit:
März 2008 bis August 2010

Projektpartner:
eBay International AG
IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a.M.

Zuwendungsgeber:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
im Rahmen der Sozialökologischen Forschung zum Themenschwerpunkt „Vom Wissen zum Handeln – Neue Wege zum nachhaltigen Konsum“

Ansprechpartner:
Dr. Jens Clausen
clausen@borderstep.de

PD Dr. Klaus Fichter
fichter@borderstep.de

Publikationen:
Clausen, Jens; Blättel-Mink, Birgit; Erdmann, Lorenz; Henseling, Christine (2010): Contribution of Online Trading of Used Goods to Resource Efficiency: An Empirical Study of eBay Users.
Veröffentlicht in: Sustainability 2010, 2(6), 1810-1830
Kostenloser Download hier oder online unter www.mdpi.com